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Gymnasium Buckhorn
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Die Entscheidung für eine smartphonefreie Klassengemeinschaft beruht nicht auf einer grundsätzlichen Ablehnung digitaler Medien. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wann Kinder ein ständig verfügbares persönliches Smartphone benötigen und welche Entwicklungsräume ein späterer Einstieg eröffnen kann.
Die Forschung zeichnet dabei kein einfaches Bild: Smartphones sind nicht grundsätzlich schädlich, und viele Zusammenhänge lassen sich nicht als eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehungen beschreiben. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass insbesondere die permanente Verfügbarkeit digitaler Kommunikation und Unterhaltung Anforderungen an Aufmerksamkeit, Selbstregulation und soziales Miteinander stellt.
Die repräsentative KIM-Studie 2024 zeigt, wie stark Smartphone und Internet bereits zum Alltag von Kindern gehören. Der Besitz eines eigenen Smartphones nimmt insbesondere im Übergang zur weiterführenden Schule deutlich zu.
Gerade dieser Zeitpunkt ist deshalb für viele Familien entscheidend. Mit einer gemeinsamen Vereinbarung kann der Einstieg hinausgeschoben werden, ohne dass einzelne Kinder befürchten müssen, innerhalb ihrer neuen Klasse „die einzigen ohne Smartphone“ zu sein.
Ein Smartphone bündelt Kommunikation, soziale Medien, Spiele und Unterhaltung in einem Gerät, das jederzeit verfügbar ist. Digitale Kommunikation kann dadurch mit der Aufmerksamkeit für Menschen und Situationen in der unmittelbaren Umgebung konkurrieren.
Ein inzwischen gut untersuchtes Phänomen ist Phubbing: Einer anwesenden Person wird weniger Aufmerksamkeit geschenkt, weil gleichzeitig das Smartphone genutzt wird.
In der Langzeituntersuchung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und der DAK-Gesundheit gaben 29,2 % der befragten Kinder und Jugendlichen an, sich zumindest manchmal durch die Smartphonenutzung ihres Gegenübers ignoriert zu fühlen. Rund ein Viertel berichtete von daraus entstehenden Konflikten. Häufigere Phubbing-Erfahrungen gingen zudem mit stärkeren psychischen Belastungen einher.
Die Ergebnisse erlauben keine einfache Aussage, dass Smartphones diese Belastungen verursachen. Sie zeigen aber, dass die Nutzung persönlicher Smartphones auch das direkte soziale Miteinander berühren kann.
Gerade beim Aufbau einer neuen Klassengemeinschaft möchten wir deshalb persönlichen Gesprächen, gemeinsamen Aktivitäten und ungeteilter Aufmerksamkeit zunächst möglichst viel Raum geben.
Mit einem eigenen Smartphone müssen Kinder nicht nur lernen, digitale Angebote sinnvoll zu nutzen. Sie müssen zugleich immer wieder selbst entscheiden, wann sie ein attraktives und unmittelbar verfügbares Angebot nicht nutzen.
Die medizinische S2k-Leitlinie „Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend“ empfiehlt deshalb unter anderem altersangemessene Regeln, Begleitung durch Erwachsene und bewusst bildschirmfreie Phasen.
Auch das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am UKE weist darauf hin, dass digitale Medien für die meisten Kinder und Jugendlichen ein selbstverständlicher Teil des Alltags sind, ein Teil jedoch problematische Nutzungsmuster entwickelt.
Ein späterer Einstieg in das eigene Smartphone kann daher Zeit geben, zunächst Routinen für Lernen, Freizeit, Schlaf, Bewegung und persönliche Kommunikation zu entwickeln.
Der Verzicht auf ein eigenes Smartphone ersetzt keine Medienbildung – im Gegenteil.
Die deutsche HBSC-Studie mit 6.475 Schülerinnen und Schülern zeigt einen Zusammenhang zwischen geringer Gesundheitskompetenz und problematischer Nutzung sozialer Medien bzw. intensiver Nutzung digitaler Spiele. Auch hier gilt: Die Untersuchung belegt keine einfache Kausalität. Sie unterstreicht jedoch die Bedeutung von Prävention und Kompetenzvermittlung.
Genau hier setzt unser schulisches Medienbildungsprogramm an: Die Kinder lernen digitale Medien kennen, nutzen sie im Unterricht und setzen sich altersgerecht mit Chancen und Risiken auseinander, bevor sie den Umgang mit einem ständig verfügbaren persönlichen Gerät zunehmend selbst regulieren müssen.
Unser Leitgedanke:
Digitale Kompetenzen früh aufbauen – den permanenten privaten Zugang über ein eigenes Smartphone zunächst hinauszögern.
KIM-Studie 2024 – Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest
Repräsentative Basisstudie zum Medienalltag von 6- bis 13-Jährigen in Deutschland.
DAK/UKE – Mediensucht-Studie 2024
Langzeitstudie zur Mediennutzung von 10- bis 17-Jährigen; unter anderem mit Ergebnissen zum Phänomen Phubbing.
DAK/UKE Mediensucht-Studie 2024
HBSC Deutschland / Bundesgesundheitsblatt
Dadaczynski u. a. (2025): Problematische Nutzung digitaler Medien und Gesundheitskompetenz von Schülerinnen und Schülern in Deutschland.
Fachartikel im Bundesgesundheitsblatt
AWMF – Medizinische Leitlinie Bildschirmmediengebrauch
S2k-Leitlinie „Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend“.